Paris c‘est nous !

Anfang des Jahres veranstalten die FaschistInnen des Bloc identitaire mit Unterstützung einiger verballerter katholischer FundamentalistInnen rund um den Gedenktag an die Pariser Schutzpatronin Geneviève, welcher vor allem ihr selbstgeißelnden Lebensstil nachgesagt wird, einen widerlichen Fackelmarsch namens Paris fierte (=Stolz von Paris), der am vergangenen Sonntag zum siebten Mal stattfinden sollte und selbstverständlich von Fackel bis Fuß mit der üblichen ultrareaktionären, rassistisch-islamophoben, religiös-kulturalistischen und romantisierenden Ideologie der selbsternannten Identitären aufgeladen ist. Traditionell startet dieser auf einem der bekanntestens Plätze von Paris, nämlich zu den Füßen von Notre-Dame. Da es hierzulande ungewohnterweise nicht unüblich ist, dass faschistische Aufmärsche völlig störungsfrei über die Bühne gehen, haben die Identitätsnazis bei der Durchführung ihrer kaputten Prozedur in den vergangenen Jahren wohl auch keine ernsthaften Probleme gehabt.

In diesem Jahr lief dies allerdings anders, zumindest ein bisschen. Denn knapp eine Stunde vor angekündigtem Beginn der FaschistInnen – der für 17 Uhr angesetzt war – tauchten urplötzlich und auf einen Schlag knapp 100 Antifaschist_innen, darunter offenbar ein guter Anteil antirassistischer PSG-Ultras, auf dem Parvis de Notre-Damme auf und machten auch nicht den Anschein, bald wieder gehen zu wollen. Die Cops waren zu diesem Zeitpunkt noch relativ spärlich vertreten und reagierten erstmal garnicht, weshalb es binnen der folgenden Stunde zu einigen verdutzten Gesichtern bei nach und nach vereinzelt eintrudelnden Faschotrotteln kam, als diese feststellen mussten, dass es sich bei dem Mob vor Notre-Dame wider Erwarten um die Guten handeln sollte. Nicht alle von denen sollen diese Begegnung ohne körperliche Verschleißerscheinungen überstanden haben und werden diesen Tag wohl in bleibender Erinnerung behalten. Irgendwann sollte der Spaß jedoch vorüber sein, als die Flics unter tatkräftiger Beteiligung dieser miesen Zivibanden einen Kessel zu ziehen begannen, dem leider nur eine Minderheit der Antifas entfleuchen konnte. Der Großteil, insgesamt 75 Genoss_innen, durfte sich begafft von schaulustigen Tourist_innen polizeilich abfilmen und anschließend in dem bereitstehenden Gefangenenbus abtransportieren lassen. Das dauerte aber natürlich seine Zeit und als es irgendwann soweit war, war 17 Uhr längst verstrichen und der Marsch der Fackeln musste erstmalig in seiner Geschichte auf dem anderen Seine-Ufer starten. Einige FaschistInnen sollen es Dank der gestifteten Verwirrung auch nicht mehr zum verlegten Autaktort geschafft haben, weshalb der anschließende verspätete, zweistündige Demozug mit 300 TeilnehmerInnen wohl auch schmaler als erwartet ausgefallen ist. Die gefangenen Genoss_innen waren erfreulicherweise schon gegen 21 Uhr wieder draußen und da wohl auch keine nachfolgenden weiteren Repressionen zu erwarten sind, hat sich der Einsatz durchaus gelohnt, weshalb die Aktion hier unterm Strich als Erfolg gehandelt wird. Der Faschist weint derweil über „ultralinke Gewalt“ und – bei beeindruckender Ignoranz der Faktenlage in Bezug auf die Masseningewahrsamnahmen – eine angeblich „untätige Polizei“. Also: Zwar nicht alles, aber doch so einiges richtig gemacht, Antifa!

Apropos Politik: Nächstes Wochenende findet in Tours der Parteitag des Front national statt, der dadurch besondere Bedeutung haben wird, dass Jean-Marie Le Pen seinen Parteivorsitz an seine Tochter abtreten wird, die der Rechtsaußenpartei ganz krisenopportunistisch ein „sozialeres“ Profil verpassen will. Antifaschistische Mobilisierung läuft! Ansonsten gehen die Proteste gegen scheiß LOPPSI2 in die nächste Runde (Samstag, 14.30 Uhr Odeon) und für alle weiter oben auf der Landkarte heißt das Reiseziel am 22.1. natürlich Friedrichsort, um die dortigen, mittlerweile leider schon gefährlich-dreisten Nazikinder mal daran zu erinnern, dass sie trotz Vorstadtlage immernoch in Kiel wohnen.